Sechs Schritte zum Energiesparhaus: Dachdämmung

„Bei einer nachträglichen Dachdämmung sind 20 cm Dämmstoff, z.B. zwischen und unter den Sparren das richtige Maß. Wer sich dafür entscheidet, hat im Winter und in heißen Sommern einen Nutzen: Ungedämmte Dächer verlieren im Winter viel Wärme, im Sommer kann die Hitze das Wohnen fast unmöglich machen“, so Werner Eicke-Hennig, Leiter der „Hessischen Energiespar-Aktion“, „bei älteren Dächern bieten 3,5 cm Heraklitplatten oder 12 cm Bimssteinausmauerung zwischen den Sparren nur einen mäßigen Wärmeschutz. Das ist so schlecht, dass die teure Heizwärme fast ungehindert entweichen kann“, so der Energieexperte weiter.

Was hilft dagegen? Wer künftig sein Dach neu eindeckt, ausbaut oder die Innenbekleidung erneuert, baut am besten eine vernünftige Wärmedämmung ein. Das Land Hessen empfiehlt 16-20 cm Dämmstoff. Das ist nicht zuviel, denn ein neues Dach hält gut und gerne 50-80 Jahre. Wer es also gleich richtig macht, kann künftigen Energiepreissteigerungen eher gelassen entgegen sehen.

Damit die Dämmung wirksam wird, darf Kalt- oder Warmluft nicht an ihr vorbei durch Fugen und Ritzen ins Hausinnere strömen. Raumseitig unter den Dämmstoff wird deshalb eine Folie oder ein Spezialpapier eingebaut.

Alle Stöße und Fugen sowie Anschlüsse an Dachflächenfenster, Traufe oder an den Giebelwänden, werden mit Klebebändern oder Klebstoff abgedichtet. Früher glaubte man bei Feuchteschäden im Dach, die Wasserdampfdiffusion sei Schuld und ordnete Belüftungsschichten an, die kaum einmal funktionierten. Heute wissen wir: Es sind die großen Mengen feuchtwarmer Innenluft, die, durch den thermischen Auftrieb im Haus, mit Überdruck in offene Fugen und Ritzen ins Dach einströmen:  300 bis 1.000 g pro Tag durch eine 1 cm breite und 1 m lange Fuge, während durch Wasserdampfdiffusion nur 1g pro Tag und m² Feuchtebelastung entsteht. Auf einen fugendichten Dachausbau wurde früher nicht geachtet, weil man die Konsequenzen nicht kannte. Manche vor fünfzehn oder zwanzig Jahren mit 10 cm Dämmmatten gedämmten Dächer werden heute deshalb saniert. Nach Abnahme der Innenbekleidung zeigen sich häufig hunderte Meter Fugen. Zugluft im Winter und Hitze im Sommer waren die jahrelang ertragenen Konsequenzen. Solche Dächer sind dermaßen undicht, dass manchmal sogar die Feuchteschäden ausblieben, weil die von allen Seiten durchziehende Zugluft, die an den Sparrenflanken und im Dämmstoff auskondensierende Feuchte wieder austrocknete: Glück gehabt, bei hohem Schadensrisiko, zum Preis von Unbehaglichkeit und hohen Heizkosten. Heute werden solche Dächer zum Beispiel mit weiteren 10-12 cm von innen gedämmt und innen diesmal gut gegen Luftströmungen abgedichtet.

Die vorhandene Dämmung kann meistens weiter genutzt werden, die neue Dämmung kommt wahlweise darunter oder auf den Sparren. 20 cm Dämmstoff im Dach sind für einen Altbau ein hervorragender Wert. Die Abdichtung wird nach der mittlerweile seit 1996 existierenden „Luftdichtheits-Norm“ DIN 4108-7 vorgenommen.

Womit dämmen? Das muss fallweise entschieden werden:
Der Dachdeckermeisterbetrieb hat hier die Erfahrung. Vorteile haben Glas- und Steinwollematten oder -keile, weil sie sich gut an alle Unebenheiten des Daches anpassen. Unser Tipp: Eine Übersicht gibt eine Energiespar-Information zur Dämmung des Steildaches (Nr. 6), die unter www.energiesparaktion.de herunter ladbar ist.

In Hessen wird der Dämmstoff in der Regel zwischen den Sparren angebracht. Was tun, wenn der Sparren nur 12 cm hoch ist, aber 20 cm eingebaut werden sollen? Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Dämmstoff mit geringster Wärmeleitung wählen (WLG 032 steht auf der Rolle). Er ist zwar leicht teurer als die üblichen Dämmstoffe, dämmt aber pro cm Dicke 12 % besser. Und zusätzlich unter dem Sparren noch mindestens 24 mm Dämmstoff zwischen die Traglattung der Innenkleidung einbauen. Als zweite Möglichkeit kann eine Aufdoppelung des Sparrens von oben vorgenommen werden (6-10 cm Kantholz). Dieser  neue Raum wird mit Dämmstoff verfüllt.

Eine gute Dachdämmung hat 3 Vorteile:

  • Erstens:
    Die Dämmung zahlt sich selbst aus den eingesparten Heizkosten zurück (die Dämmung, nicht die Neueindeckung). Die Einsparung durch Dachdämmung liegt meist zwischen 10 und 20 %, je nach Ausgangszustand.
  • Zweitens:
    Behaglichkeit im Winter. Die Dachschräge wird nicht mehr so kalt, es entsteht kein Zugluftgefühl mehr im Dach. Man fühlt sich wohler im Dachräumen.
  • Drittens:
    Sommerlicher Wärmeschutz. Auch die Sonnenhitze bleibt draußen, denn der Dämmstoff dämmt in beide Richtungen. Und was an Sonnenwärme nicht ins Dach reinkommt, muss auch nicht rausgelüftet werden. Schlafen unterm Dach wird auch in heißen Sommern angenehmer.

Informationen zu den aktuellen Förderrichtlinien und -möglichkeiten finden Sie unter www.kfw.de, www.bafa.de, oder www.foerderdata.de

Informationen zur „Hessischen Energiespar-Aktion“, zum „Energiepass Hessen“, den Kooperationspartnern, die 14 Energiesparinformationen mit detaillierten Hinweisen zu den wichtigsten Energiespartechniken, viele weitere Fachbeiträge oder die Energieberaterliste erhalten Sie unter www.energiesparaktion.de

Die „Hessische Energiespar-Aktion“ ist ein Projekt des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.